Kapitel 2: Das römische Bad – Ein gesellschaftliches Ritual
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Bad Villa Borg |
Die Römische Villa Borg – Ein Fenster in die Antike
Die Römische Villa Borg in Perl, Saarland, ist ein einzigartiges archäologisches Freilichtmuseum, das einen lebendigen Einblick in das römische Leben vor rund 2.000 Jahren bietet.
Als weltweit einzige vollständig rekonstruierte „villa rustica“ – ein römisches Landgut – verbindet sie historische Präzision mit moderner Wissensvermittlung.
Sie befindet sich im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg, direkt an der antiken Straße zwischen Metz und Trier, und erstreckt sich über 7,5 Hektar.
Seit ihrer Entdeckung Ende des 19. Jahrhunderts durch den Lehrer Johann Schneider und den systematischen Ausgrabungen ab 1987 hat sich die Villa Borg zu einem kulturellen Höhepunkt entwickelt.
Der folgende Text beleuchtet ihre Geschichte, Architektur, Funktion und Bedeutung als Ort der Wissensvermittlung und des Tourismus.
Die Geschichte der Villa Borg: Von den Anfängen bis zur Rekonstruktion
Die Villa Borg, deren Ursprünge auf das 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. zurückgehen, ist ein Zeugnis kontinuierlicher Besiedlung. Archäologische Funde belegen eine keltische „Protovilla“ aus der vorrömischen Latènezeit, was auf eine frühe Besiedlungstradition hindeutet.
Die Villa Borg, deren Ursprünge auf das 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. zurückgehen, ist ein Zeugnis kontinuierlicher Besiedlung. Archäologische Funde belegen eine keltische „Protovilla“ aus der vorrömischen Latènezeit, was auf eine frühe Besiedlungstradition hindeutet.
Es wird vermutet, dass die Bewohner romanisierte Kelten, möglicherweise aus dem treverischen Adel, waren, die durch ihre Loyalität zu Rom zu Wohlstand gelangten.
Die systematischen Ausgrabungen der Villa Borg begannen 1987 in enger Zusammenarbeit zwischen der Kulturstiftung Merzig-Wadern, dem Staatlichen Konservatoramt und der Gemeinde Perl.
Die systematischen Ausgrabungen der Villa Borg begannen 1987 in enger Zusammenarbeit zwischen der Kulturstiftung Merzig-Wadern, dem Staatlichen Konservatoramt und der Gemeinde Perl.
Seit 1994 wird die Anlage basierend auf den Grabungsbefunden rekonstruiert, wobei diese Arbeiten bis heute andauern. Ein wesentlicher Grund für die hervorragende Erhaltung der Funde ist, dass die Villa nie überbaut oder landwirtschaftlich genutzt wurde.Architektur und Design
Die Villa Borg besteht aus zwei Hauptbereichen: der pars urbana (herrschaftlicher Wohnbereich) und der pars rustica (Wirtschaftsbereich).
Die Villa Borg besteht aus zwei Hauptbereichen: der pars urbana (herrschaftlicher Wohnbereich) und der pars rustica (Wirtschaftsbereich).
Der Wohnbereich umfasst ein prächtiges Herrenhaus mit Empfangshalle, Mosaikböden, Hypokaustenheizung und kunstvollen Wandmalereien, die den Reichtum der Bewohner widerspiegeln. Das voll funktionsfähige römische Bad (thermae) mit frigidarium, tepidarium und caldarium demonstriert die ausgefeilte Badekultur der Römer.
Die authentisch rekonstruierte Küche diente der Zubereitung von Speisen nach Originalrezepten des römischen Feinschmeckers Apicius. Die Gartenanlagen, basierend auf Pollenanalysen und antiken Quellen, umfassen einen Kräuter-, Küchen- und Rosengarten, die sowohl praktische als auch repräsentative Funktionen erfüllten.
Der Wirtschaftsbereich beinhaltet Werkstätten wie Schmiede, Töpferei und Glashütte, die durch experimentelle Archäologie wiederbelebt werden.Leben in der Villa
Die Villa Borg war ein Zentrum des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Die Bewohner, vermutlich eine wohlhabende Familie, führten ein privilegiertes Leben mit Banketten, philosophischen Diskussionen und Freizeitaktivitäten.
Die Villa Borg war ein Zentrum des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Die Bewohner, vermutlich eine wohlhabende Familie, führten ein privilegiertes Leben mit Banketten, philosophischen Diskussionen und Freizeitaktivitäten.
Sklaven und Bedienstete kümmerten sich um Küche, Garten und Stallungen, während die Landwirtschaft – Ackerbau und Viehzucht – die wirtschaftliche Grundlage bildete.
Die Taverne der Villa Borg bietet heute Speisen nach antiken Rezepten, wie lukanische Würste oder mulsum (Gewürzwein), und von der restaurierten Brauerei Bier der Kelten, und vermittelt so einen Eindruck der römischen Kulinarik.
Veranstaltungen wie die „Römertage“ im August, bei denen Legionäre, Gladiatoren und Handwerker auftreten, lassen die Antike lebendig werden.Bildung und Tourismus
Die Villa Borg ist nicht nur ein Museum, sondern ein lebendiges Kulturzentrum. Sie bietet Führungen in mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Luxemburgisch) sowie spezielle Programme wie Museumsrallyes, Kindergrabungen, Öllampen-Töpfern oder Mosaiklegen.
Die Villa Borg ist nicht nur ein Museum, sondern ein lebendiges Kulturzentrum. Sie bietet Führungen in mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Luxemburgisch) sowie spezielle Programme wie Museumsrallyes, Kindergrabungen, Öllampen-Töpfern oder Mosaiklegen.
Für Schulklassen und Gruppen gibt es maßgeschneiderte Angebote, und die Barrierefreiheit ist teilweise gewährleistet, mit Rampen und QR-Codes für Informationen in Leichter Sprache.
Die Anreise ist einfach, etwa über die A8 oder den Bus 210 von Merzig. Mit rund 50.000 Besuchern jährlich ist die Villa ein touristischer Magnet, der Geschichte greifbar macht.Bedeutung und Einzigartigkeit
Die Villa Borg ist weltweit einzigartig, da sie als einzige vollständig rekonstruierte römische Villa den gesamten Herrschaftsbereich abbildet. Selbst in Italien gibt es kein vergleichbares Projekt. Durch die Kombination von archäologischer Forschung, Rekonstruktion und Veranstaltungen bietet sie einen authentischen Einblick in das römische Leben.
Die Villa Borg ist weltweit einzigartig, da sie als einzige vollständig rekonstruierte römische Villa den gesamten Herrschaftsbereich abbildet. Selbst in Italien gibt es kein vergleichbares Projekt. Durch die Kombination von archäologischer Forschung, Rekonstruktion und Veranstaltungen bietet sie einen authentischen Einblick in das römische Leben.
Die kontinuierlichen Ausgrabungen und die experimentelle Archäologie, etwa in der Schmiede oder Glashütte, tragen zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung bei. Die Villa ist Teil der „Straßen der Römer“ und verbindet Geschichte mit modernem Tourismus, was sie zu einem unverzichtbaren Ort für Geschichtsinteressierte macht.
Fazit
Die Römische Villa Borg bietet durch ihre detailgetreue Rekonstruktion einen lebendigen Einblick in die römische Kultur. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem vielfältigen Erlebnisprogramm für Familien, Schulklassen und Historiker, um Besuchern ein hautnahes Eintauchen in die römische Vergangenheit zu ermöglichen.
Fazit
Die Römische Villa Borg bietet durch ihre detailgetreue Rekonstruktion einen lebendigen Einblick in die römische Kultur. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem vielfältigen Erlebnisprogramm für Familien, Schulklassen und Historiker, um Besuchern ein hautnahes Eintauchen in die römische Vergangenheit zu ermöglichen.
Prolog: Morgennebel über dem Leukbach
Im Jahr 250 n. Chr. herrschte in der Villa Borg, eingebettet in die sanften Hügel des Saar-Mosel-Gebiets, eine friedliche Stille im Morgennebel. Die römische Straße von Augusta Treverorum nach Divodurum war zwar nahe, doch die Villa bildete einen eigenen Mikrokosmos. Gaius Marcellus, der Gutsherr, stand auf der Terrasse seines Herrenhauses und überblickte die Gärten, wo bereits Sklaven die Kräuterbeete pflegten. Für den heutigen Tag wurden Gäste aus Trier erwartet – eine Gelegenheit, den Prunk der Villa zu präsentieren.
Kapitel 1: Der Morgen im Wirtschaftstrakt
Als die Sonne den Nebel durchbrach, betrat Livia, die Frau des Verwalters Vicilius, die Küche. Der Duft von frisch gebackenem libum, einem römischen Käsekuchen, erfüllte den Raum. „Jatros!“, rief sie dem jungen Sklaven zu, der Holz für den Ofen schleppte. „Beeil dich, die Gäste kommen mittags!“ Jatros, ein Gallier, war erst seit einem Jahr in der Villa, doch seine Kochkünste machten ihn unentbehrlich. Neben dem libum bereitete Livia moretum zu, eine Kräuterpaste mit Knoblauch und Käse, nach Apicius’ Rezepten. Die Küche mit ihrem offenen Herd und den tönernen Amphoren bildete das Herz der pars rustica.
Draußen, im Wirtschaftstrakt, überwachte Vicilius die Schmiede, wo der kräftige Schmied Sextus Funken sprühend an einem Pflug hämmerte. „Die Ernte muss bald eingebracht werden“, murmelte Vicilius. Die Villa war nicht nur ein Ort des Luxus, sondern ein florierendes landwirtschaftliches Zentrum, das Weizen, Gerste und Wein produzierte. Die Felder, die sich bis zum Leukbach erstreckten, waren die Grundlage ihres Wohlstands.
Kapitel 2: Das römische Bad – Ein gesellschaftliches Ritual
Gegen Mittag führte Gaius seine Gäste – einen Händler aus Trier und dessen Frau – durch die Villa. Das Herzstück war die thermae, deren Hypokaustenheizung den Boden erwärmte. „Seht, wie fortschrittlich unsere Technik ist“, erklärte Gaius stolz im caldarium. Der Händler Lucius nickte anerkennend. „Selbst in Rom findet man solche Bäder selten auf dem Land.“ Im tepidarium tauchten die Gäste ihre Hände ins warme Wasser und bewunderten die Mosaiken, die Szenen von Bacchus und seinen Satyrn darstellten. Das Bad diente nicht nur der Hygiene, sondern war ein wichtiges gesellschaftliches Ritual, das Status und Kultiviertheit unterstrich.
Kapitel 3: Das Bankett
Am Abend versammelten sich die Gäste im großen Empfangsraum des Herrenhauses. Ein wiederhergestelltes Mosaik zierte den schimmernden Boden, während die Wände mit Fresken von Weinranken geschmückt waren. In der eigens für die Gäste geöffneten Taverne wurden lukanische Würste, in Honig gebratene Datteln und Mulsum serviert. Ein Sklave spielte Lyra, während Gaius und Lucius über Handelsrouten sprachen. „Die Straße nach Trier ist sicher, aber die Germanen jenseits des Rheins bereiten mir Sorgen“, sagte Lucius. Gaius winkte ab und erklärte: „Mit Rom an unserer Seite sind wir unbesiegbar.“
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