Die Wiederentdeckung der Villa Borg ist dem Lehrer Johann Schneider aus Oberleuken zu verdanken, der um 1900 erste Grabungen durchführte.
1: Die Geschichte der Römischen Villa Borg
Die Römische Villa Borg, im Herzen des Dreiländerecks Deutschland, Frankreich und Luxemburg, zwischen Borg und Oberleuken im Saar-Mosel-Raum gelegen, ist ein beeindruckendes archäologisches Zeugnis römischer Provinzialkultur. Mit einer Fläche von etwa 7,5 Hektar zählt sie zu den größten Villenanlagen ihrer Art in der Region und bietet einzigartige Einblicke in römisches Leben und Architektur. Die Geschichte der Villa ist geprägt von kontinuierlicher archäologischer Erforschung und Rekonstruktion, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht.
Ihre Ursprünge reichen ins 1. Jahrhundert n. Chr., als ein wohlhabender, wahrscheinlich romanisierter Kelte den Grundstein legte. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung der Region bereits seit der Jungsteinzeit. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. erlebte die Villa ihre Blütezeit als florierendes Landgut, bestehend aus dem Wohn- und Herrschaftsbereich (pars urbana) und dem Wirtschaftstrakt (pars rustica). Schätzungen zufolge lebten hier 150 bis 250 Menschen. Die Landwirtschaft bildete die wirtschaftliche Grundlage, deren Überschüsse an römische Legionäre in Trier oder die Zivilbevölkerung verkauft wurden.
Die strategisch günstige Lage an der Römerstraße von Metz nach Trier, etwa 40 Kilometer von Trier entfernt, förderte den wirtschaftlichen Erfolg der Villa durch Handel und Versorgung. Im 3. Jahrhundert n. Chr. wurde die Villa durch Germaneneinfälle teilweise zerstört, jedoch wieder aufgebaut und bestand bis Ende des 4. Jahrhunderts, bevor sie endgültig aufgegeben wurde. Über die Jahrhunderte gerieten die Überreste in Vergessenheit und dienten der lokalen Bevölkerung als Steinbruch.
Die Wiederentdeckung der Villa Borg ist dem Lehrer Johann Schneider aus Oberleuken zu verdanken, der um 1900 erste Grabungen durchführte. Seine Forschungen gerieten durch die Weltkriege in Vergessenheit. Erst seit 1987 wird die Villa systematisch von der Kulturstiftung Merzig-Wadern, dem Staatlichen Konservatoramt und der Gemeinde Perl ausgegraben und rekonstruiert. Seit 1994 erfolgt der Wiederaufbau nach neuesten Erkenntnissen der Villenforschung, einschließlich des Villenbades, der Taverne, des Herrenhauses, der römischen Küche und der Gartenanlagen. Heute ist die Villa Borg ein Archäologiepark, der jährlich etwa 50.000 Besucher anzieht und durch Veranstaltungen wie die Römertage ein lebendiges Bild des römischen Landlebens vermittelt.
Die Bedeutung der Villa Borg liegt nicht nur in ihrer historischen Substanz, sondern auch in ihrer Rolle als kulturelles und touristisches Zentrum. Die auf archäologischen Funden basierenden Rekonstruktionen bieten einzigartige Einblicke in römische Architektur, Lebensweise und landwirtschaftliche Produktion. Veranstaltungen wie Römerfeste und die Braukunst des „Klimabiers“ verbinden die antike Geschichte mit modernen nachhaltigen Konzepten und machen die Villa Borg zu einem Ort der Begegnung und des Lernens.
Quellen: www.villa-borg.com, www.regionalgeschichte.net, www.villa-borg.de
2: Die Römerstraße in der Umgebung der Villa Borg
Die Römerstraße von Metz nach Trier, die unweit der Villa Borg verlief, war ein entscheidender Bestandteil der römischen Infrastruktur im Saar-Mosel-Raum und prägte maßgeblich die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region. Etwa 40 Kilometer von Trier entfernt, verband diese Straße die bedeutende römische Stadt Augusta Treverorum (Trier) mit Divodurum Mediomatricorum (Metz) und war Teil des weitverzweigten römischen Straßennetzes, das Handel, militärische Bewegungen und kulturellen Austausch in den Provinzen ermöglichte.
Römerstraßen waren nicht nur Verkehrsachsen, sondern auch technische Meisterleistungen. Sie wurden präzise, oft in geraden Linien, gebaut, um Reisezeiten zu minimieren, und bestanden aus mehreren Schichten wie Kies, Sand und gepflasterten Steinen, die für Stabilität und Langlebigkeit sorgten. In der Umgebung der Villa Borg verlief die Straße entlang einer flachen Kuppe, auf der die Villa selbst errichtet wurde, was ihre strategische Lage unterstreicht. Die Nähe zur Straße ermöglichte der Villa den effizienten Transport landwirtschaftlicher Überschüsse zu Märkten in Trier oder Metz und steigerte so ihre wirtschaftliche Bedeutung.
Die Römerstraße symbolisierte auch die Romanisierung der Region. Entlang solcher Straßen siedelten sich romanisierte Kelten und römische Bürger an, wie Funde in der Villa Borg belegen. Die Straße erleichterte den kulturellen Austausch, indem sie Händler, Soldaten und Verwaltungsbeamte in die Region brachte. Archäologische Funde, wie die in der Nähe der Villa Borg entdeckten Reste von Siedlungen und Villen, zeugen von einer hohen Besiedlungsdichte im Dreiländereck. Die Straße war zudem von strategischer Bedeutung, da sie Trier, das als Verwaltungs- und Militärzentrum der Provinz Gallia Belgica diente, mit anderen Städten verband.
Obwohl die Römerstraße heute größtenteils von der Landschaft und späteren Überbauungen verdeckt ist, sind Spuren ihrer Existenz in der Region erhalten geblieben. Archäologische Untersuchungen, etwa im Rahmen der Ausgrabungen der Villa Borg, lieferten Hinweise auf die Straße und ihre Bedeutung für das römische Landleben. Die Rekonstruktion der Villa Borg und ihre Einbindung in den Archäologiepark betonen die Bedeutung dieser Infrastruktur, indem sie Besuchern ermöglicht, die historische Verbindung zwischen der Villa und der Römerstraße zu erleben.
Die Römerstraße in der Umgebung der Villa Borg ist somit ein Schlüssel zum Verständnis der römischen Provinzialkultur. Sie war nicht nur ein Mittel zur wirtschaftlichen und militärischen Vernetzung, sondern auch ein Katalysator für die kulturelle Transformation der Region, die bis heute in den archäologischen Überresten und Rekonstruktionen spürbar ist.
Quellen: www.regionalgeschichte.net, www.saarland-lese.de
3: Die Geschichte von Oberleuken
Oberleuken, ein Ortsteil der Gemeinde Perl im Saarland, ist ein Dorf mit einer reichen und vielschichtigen Geschichte, die von der Jungsteinzeit bis in die Moderne reicht. Am Leukbach im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und Luxemburg gelegen, ist Oberleuken nicht nur für seine Nähe zur Römischen Villa Borg bekannt, sondern auch für seine einzigartige historische Entwicklung, geprägt von politischen Teilungen, Kriegen und kulturellen Wandlungen.
Die Frühgeschichte Oberleukens reicht bis in die Jungsteinzeit zurück, wie archäologische Funde von Werkzeugen und Keramikscherben belegen. Besonders bedeutend ist das 1997 entdeckte keltische Gräberfeld, das auf eine kontinuierliche Besiedlung hinweist. Der Name „Oberleuken“ leitet sich vermutlich vom althochdeutschen „luica“ ab, was „Siedlung am Leukbach“ bedeutet. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 964, als Oberleuken als fränkischer Gutshof entlang des Leukbaches erwähnt wurde.
Im Mittelalter war Oberleuken eine eigenständige Pfarrei mit einer dem heiligen Gangolf geweihten Kirche. Eine bemerkenswerte Besonderheit war die politische Teilung des Dorfes: Der Leukbach diente als natürliche Grenze zwischen dem Kurfürstentum Trier auf der linken und dem Herzogtum Lothringen auf der rechten Seite. Diese Teilung führte zu unterschiedlichen administrativen Zuständigkeiten und prägte das Leben im Dorf über Jahrhunderte. Mit der Auflösung des Herzogtums Lothringen 1766 fiel der lothringische Teil an Frankreich, und während der Französischen Revolution wurde das gesamte Saargau-Gebiet, einschließlich Oberleuken, 1797 in die Französische Republik integriert. Nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress von 1815 wurde Oberleuken Preußen zugesprochen, und die endgültige administrative Vereinigung des Dorfes erfolgte 1830.
Das 20. Jahrhundert brachte für Oberleuken erhebliche Herausforderungen, insbesondere während des Zweiten Weltkriegs. Als Teil des Westwalls war das Dorf strategisch in das Verteidigungssystem des Orscholzriegels integriert. 1944/45 erlitt Oberleuken schwere Zerstörungen, einschließlich der Pfarrkirche St. Gangolf und vieler
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