Kolumnen der Gemeinde Perl

viewport' Villa Borg Bierbrauen in Villa Borg

Wöchentliche Kolumne – Gemeinde Perl, HyStarter und Region (Freitag, 12. Dezember 2025)

1. HyStarter‑Projekt: Vision oder Verkehrsberuhigung auf Wasserstoff?

Im Jahr 2021 trat die Gemeinde Perl beim Bundeswettbewerb HyLandWasserstoffregionen in Deutschland an und wurde als HyStarter‑Region ausgezeichnet. Ziel war es, die Potenziale grüner Wasserstoffwirtschaft für die Region auszuloten, lokale Akteure zu vernetzen und ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. 

Seither liegt der Abschlussbericht des Projekts vor, doch Kritik bleibt: Was steckt wirklich hinter dem ambitionierten Titel „Zukunft gestalten mit Wasserstoff“? Die Ankündigungen zeigen planerische Überlegungen, Beratungsdialoge und Netzwerkbildung, aber konkrete Investitionen und greifbare Ergebnisse erscheinen bisher spärlich. Die öffentliche Wahrnehmung des Projekts in der Bevölkerung ist eher zurückhaltend, da greifbare Fortschritte für Alltag und Arbeitsplätze noch rar sind. 

Ein weiteres Versprechen stammt aus Kooperationen mit Partnern wie Lhyfe: eine große Elektrolyseanlage in Perl zur Produktion grünen Wasserstoffs mit 70 MW und späterer Einspeisung in das geplante grenzüberschreitende Pipeline‑Netz mosaHYc. Geplant ist ein Baubeginn im ersten Halbjahr 2027, doch hier werden Zeitplan, Finanzierung und Genehmigungsverfahren noch als „offene Faktoren“ genannt. 

Kritische Bewertung:

• Der Gemeinde ist es gelungen, Förderungen und Netzwerke zu initiieren – das ist positiv.

• Bis heute fehlen jedoch konkrete, sichtbare Investitionen oder Baufortschritte auf lokaler Ebene.

• Die Relevanz für den Alltag der Bürger bleibt unklar: Wo sind die Arbeitsplätze, wo sind die getesteten Anwendungen für lokale Mobilität oder Energieversorgung?

Dies wirft Fragen auf: Wie ernst ist die strategische Priorität des Projekts für den Gemeinderat? Und welche Messkriterien wurden definiert, um Erfolge öffentlich zu machen?




2. Gemeinderat Perl: Stillstand oder Strategiewechsel?

Während der Gemeinderat Perl bei großen Bebauungsplänen und lokalen Infrastrukturprojekten aktiv entscheidet (beispielsweise zu Wohnbauflächen und öffentlicher Beteiligung), wirkt die Debatte um strategische Zukunftsthemen wie Wasserstoff derzeit eher akademisch als handlungsorientiert. 

Andere Beschlüsse – etwa zur Ortsentwicklung, Tiny‑House‑Überlegungen oder Infrastrukturpflege – zeigen eine verwaltungstechnische Tätigkeit, die zwar wichtig ist, aber nicht die große strategische Richtung der Gemeinde bestimmt. Die Frage bleibt, ob Themen wie nachhaltige Energieversorgung und Wirtschaftsförderung genügend Raum in den Beratungen des Rates finden – oder ob sie hinter klassischen Planungsaufgaben zurückstehen.




3. Regionale Nachrichten: Borg, Oberleuken und Perl im Dorfkontext

Auch abseits großer Zukunftsprojekte bleibt der Alltag im südlichen Teil der Gemeinde Perl geprägt von lokalen Gemeinschaften:

  • Borg zeigt sich in den jüngsten Wochen als ruhiger Ortsteil, in dem lokale Vereinsaktivitäten und Dorfleben dominieren. Keine größeren neuen Bauprojekte oder infrastrukturellen Meldungen sind derzeit verzeichnet.

  • Oberleuken wird ebenfalls im aktuellen Mitteilungsblatt Mosella vor allem durch Vereinsmeldungen, Notdienste und lokale Veranstaltungshinweise abgebildet. 

  • Auch hier überwiegt die Alltagskommunikation gegenüber strategischen Zukunftsthemen.

  • Perl selbst bleibt administratives Zentrum mit Sitzungsankündigungen, Forstarbeiten, öffentlichen Bekanntmachungen und Service‑Hinweisen, ohne Überraschungen oder kontroverse Themen in der jüngsten Ausgabe.




4. Aus dem Amtsblatt Mosella – Wochenpunkte (Ausgabe Nr. 50/2025)

Das amtliche Mitteilungsblatt Mosella liefert jede Woche eine Vielzahl von Informationen für Bürgerinnen und Bürger – etwa:

  • Amtsdetails zu Sitzungen, öffentlichen Wochenangeboten, Notdiensten und behördlichen Bekanntmachungen.

  • Hinweise zu lokalen Vereinsaktivitäten und Veranstaltungen in den Ortsteilen.

  • Wirtschaftliche Servicemeldungen und Beiträge zu öffentlicher Infrastrukturentwicklung.

Deutlich wird: Die wöchentliche Publikation bleibt vor allem ein Informationskanal für Alltagsbelange, nicht unbedingt ein Medium für tiefgehende strategische Debatten über große Zukunftsprojekte.




5. Bewertung und Ausblick

Perl steht vor der Herausforderung, ambitionierte Zukunftsthemen wie Wasserstoff wirtschaftlich und gesellschaftlich greifbar zu machen – jenseits von Berichten und Strategiedialogen. Große Projekte wie die Lhyfe‑Elektrolyseanlage und das mosaHYc‑Netz sind visionär und können langfristige Bedeutung für die Region haben; ihre unmittelbare Wirkung bleibt aktuell aber noch Zukunftsmusik.

Für den Gemeinderat gilt es, mehr Transparenz und greifbare Meilensteine zu setzen, damit Bürgerinnen und Bürger erkennen können:

  • Was konkret erreicht wurde,

  • wie Fortschritt messbar wird,

  • und wie lokale Vorteile (Beschäftigung, Energieversorgung, Mobilität) real entstehen.

Die amtlichen Veröffentlichungen im Mosella bieten eine solide Basis für die Alltagsinformation – allein reicht das nicht aus, um langfristige Zukunftsfragen der Gemeinde attraktiv und verständlich zu kommunizieren. Gerade bei Themen wie Energie und Wirtschaft muss die tägliche politische Diskussion mit relevanten Ergebnissen untermauert werden.




Kolumnistische Schlussbemerkung:

Technologie und Zukunftsprojektionen sind unverzichtbar – doch sie müssen verwirklicht, nicht nur geplant werden. 

Eine Gemeinde, die Wasserstoff zur Vision erklärt, sollte in gleichen Maßen Erfolge sichtbar machen wie sie Ambitionen formuliert. Nur dann entsteht Vertrauen, Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement – und nicht nur der Eindruck von Spitzenplätzen auf Papier.


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